欧盟 Digital Fairness Act 或冲击德国游戏厂商商业模式(Fröhlich 周五专栏)
Unter Druck (Fröhlich am Freitag)
欧盟 Digital Fairness Act 拟遏制“不活跃惩罚”等机制,威胁 Forge of Empires、Ogame、Travian Legends、Goodgame Empire、Die Stämme 等德国游戏厂商商业模式。法案草案将于 11 月提交,德游戏协会警示过度与重复监管。相关机制贡献超半数行业软件营收。

Mit dem Digital Fairness Act will die EU ihre Bürger besser vor Abzocke schützen. Das Paket bedroht auch das Geschäftsmodell deutscher Games-Unternehmen.
Verehrter GamesWirtschaft-Leser,
verehrte GamesWirtschaft-Leserin,
Sie haben es an der verringerten Taktfrequenz gemerkt: Ich urlaube. Genauer: Ich urlaubte.
In den vergangenen Wochen haben wir Portugal durchgespielt – angefangen mit Porto, dann die Küste runter ins liebreizende Óbidos inklusive der Surf-Hochburg Nazaré, ein Wochenende in Lissabon und schließlich noch ein paar Tage Strand. Was die vor Touristen überquellende Hauptstadt an Energie raubt, gibt die Algarve mit vollen Händen zurück – ein absoluter Traum, zumindest jetzt in der Nebensaison.

Für so einen Roadtrip ist Mietauto-Hopping unumgänglich – und deshalb verbringt man unvernünftig viel Zeit in den Büros von Autovermietungen. Vor den Schaltern drängeln sich Urlauber in langen Schlangen – allesamt ausgestattet mit Ausdrucken von Reservierungen in der Hoffnung / Erwartung, den Vorgang zu beschleunigen. Pustekuchen!
In aller Seelenruhe werden Faksimile gefertigt von Personalausweisen, Führerscheinen und Kreditkarten, zuweilen kommt es zu händischem Eintippen von Dokumenten-Daten. Als ob man diese Formalien nicht längst im Vorfeld online hätte abfragen können.
Aus unerfindlichen Gründen haben sich die Kunden mit diesen Zuständen arrangiert – und man wünscht sich nichts mehr als einen smarten Disruptoren, der diesen scheinbar innovationsresistenten Markt aufbricht und den Mietvorgang so simpel macht wie das Ausleihen von E-Rollern. Kann doch nicht so schwer sein.
Offenkundig ist: Die Zeit für den Ausleih-Vorgang würde sich mindestens halbieren, wenn am Schalter nicht stumpfe Upselling-Vorgänge stattfinden würden: In leuchtenden Farben werden mögliche Worst-Case-Szenarien an die Wand geworfen – falsch getankt, Schlüssel verloren, Panne im Nirgendwo, dazu Kautionen, Versicherungen, Gebühren, Zusatzfahrer, No-Show-Strafen, Pipapo. Ein scheuer Blick aufs mitgebrachte Gepäck führt zu besorgten Nachfragen, ob es nicht doch die nächsthöhere Fahrzeug-Kategorie sein sollte.
Wer sich nicht penibel auf diese Verkaufsgespräche vorbereitet, hat schon verloren – aus Unsicherheit oder Unwissen lässt man sich den größten Quark aufschwatzen.
Weil auch wir mit unserer Reservierung viel Zeit in der Schlange verbringen durften, konnten wir den aufgebauten Druck live verfolgen: Der Mann am Schalter konjugiert potenzielle Risiken und Auswege, die Kunden kommen ins Debattieren, wägen Pro und Contra, sind nervlich schon leicht angeschossen, verstehen womöglich auch nicht jede fremdsprachige Klausel – und lassen sich dann doch auf die dringende Empfehlung ein. Einfach, um keine unangenehme Entscheidung treffen zu müssen, die man möglicherweise schon nach wenigen Kilometern bereut.
Nun ist das Autovermietungs-Business natürlich nicht das einzige Gewerbe des Planeten, das sanften Druck in Form virtueller Katastrophen-Szenarien aufbaut, um Kunden zu Mehrausgaben zu bewegen.
Nehmen wir die Games-Industrie: In überraschend vielen Online- und Mobile-Spielen kann man sich unter anderem mit einer Gebühr dagegen absichern, dass mühselig aufgebaute Dörfer, Ländereien und Sternenflotten zu Klump geschossen werden – etwa dann, wenn man aus Real-Life-Gründen mal ein paar Stunden nicht online sein sollte oder (Gott bewahre) gar in den Urlaub fährt. Potenzielle Verlust-Risiken schweben wie ein Damoklesschwert über den Usern – gerade bei jenen, die Jahre, teils Jahrzehnte in ihren Account investiert haben.
Auf irgendeiner Variante des Schutzschild-Prinzips basieren bemerkenswert viele Traditions-Titel made in Germany: Forge of Empires, Ogame, Travian Legends, Goodgame Empire, Die Stämme – um nur die prominentesten zu nennen.
Die dazugehörigen Communities haben ein feines Gespür dafür entwickelt, was fair und damit zumutbar ist. Und was nicht. Eine gänzlich andere Vorstellung von Fairness hat möglicherweise die EU: Denn „Strafen für Nicht-Engagement“ gehören zur langen Liste an Mechaniken, deren Eindämmung sich die EU-Kommission entlang des Digital Fairness Act vorgenommen hat. Der Gesetzentwurf soll im November vorliegen.
Darüber hinaus geht es um kolportierte Seltenheit durch künstliche Verknappung, um Spielwährungen, Glücksspiel-Elemente, Boni für tägliches Einloggen und anderes mehr – allesamt Tools, die seit jeher den gutsortierten Werkzeugkasten von Games füllen und für über die Hälfte des Software-Umsatzes in der Branche sorgen. Kein Wunder also, dass sich die Industrie mit Händen und Füßen wehrt – mit Gutachten, Stellungnahmen, Anhörungen, Hintergrund-Gesprächen.
Der deutsche Branchen-Verband warnt vor Über- und Doppelregulierung: So würde die „scheingenaue Euro -Ausweisung“ von In-Game-Währung die Verbraucherinnen und Verbraucher geradewegs in die Irre führen. Bewährte Spielelemente seien „nicht automatisch manipulativ, sondern Teil legitimen Game-Designs.“
Schöner hätt’s der freundliche Kundenberater am Autovermietungs-Schalter nicht formulieren können.
Die kommenden Wochen werden also interessant – und eine gewisse Anspannung in der Branche war schon entlang der Gamescom spürbar, weil eben nicht klar ist, ob die EU den Meißel oder doch den Presslufthammer ans Monetarisierungs-Fundament eines tradierten Geschäftsmodells anlegt.
Unsere Mietwagen sind im Übrigen wieder wohlbehalten am Zielort angekommen. Heißt für Sie: Ab kommendem Montag läuft GamesWirtschaft wieder unter Volllast.
Einstweilen wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.
Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft
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